• Pierre Bonnard, Das Bad, 1925, Öl auf Leinwand, 86 x 120,6 cm Tate, London © Tate
  • Pierre Bonnard, Das Bad, 1925, Öl auf Leinwand, 86 x 120,6 cm Tate, London © Tate

Pierre Bonnard

Die Farbe der Erinnerung

10.10.2019 – 12.01.2020

Im Herbst und Winter 2019/20 zeigt das Kunstforum die erste umfassende Retrospektive zum Werk Pierre Bonnards (1867-1947) in Österreich. Die Ausstellung konzentriert sich auf Bonnards reifes Werk, das nach seinem ersten Besuch an der Côte d’Azur, 1909, und der tiefgreifenden Erfahrung des Mittelmeerlichts einsetzt. Jetzt verändert sich die Palette Bonnards, der bis dahin vornehmlich in Paris und Mittelfrankreich lebte, und die starken leuchtenden Farben charakterisieren seine Gemälde bis in sein Spätwerk.
Bonnards vielfältiges und immer wieder neu zu entdeckendes Werk wird mit zahlreichen Leihgaben aus internationalen Museen, wie der Tate, London, dem Metropolitan Museum New York, der National Gallery in Washington, dem Musée d’Orsay in Paris oder der Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen, aber auch aus renommierten privaten Sammlungen präsentiert.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Farbe als zentrales Ausdrucks- und Gestaltungsmittel des Künstlers. Nicht nur Stimmungen, sondern auch Räume, ganze Kompositionen, entwickelt und modelliert Bonnard über Farbakkorde und -dissonanzen, über die Gegensätze und das Zusammenspiel warmer und kühlerer Töne. Das raffinierte Mit- und Gegeneinander der Farbwerte ist für Bonnard jedoch nur eines der Mittel, um die Harmonie der Natur in Frage zu stellen. Genauso subtil spielt er mit räumlichen Verunklärungen oder »Fehlern« in der Personenführung – immer wieder sucht er, wie er es selbst formulierte, eine Überwindung der Natur durch die Kunst.

Der geheimnisvolle Künstler – kurz nach seinem Tod um die Mitte des 20. Jahrhunderts noch als Vertreter einer oberflächlichen Harmonie und »harmloser « Chronist eines großbürgerlichen Alltags klassifiziert – hat die Gegenständlichkeit abseits der Entwicklung aller -ismen zu Beginn des Jahrhunderts nie in Frage gestellt hatte und seinen eigenen, letztlich der französischen Klassik verbundenen Stil der »anderen Moderne« gepflegt. Bonnard inszenierte sich selbst immer wieder als Außenseiter, der sich von Künstlergruppen fernhielt und so auch vom Publikum gesehen wurde. Er soll hier neu und im Kontext seiner Zeit verstanden werden: Freundschaften mit Vuillard oder Matisse, die künstlerische Auseinandersetzung mit seinen Zeitgenossen und nicht zuletzt seine bis dato kaum reflektierten Reaktionen auf das politische Zeitgeschehen rücken Bonnard in einen aktuellen Zusammenhang und zeigen ihn als zeitgemäßen Künstler des 20. Jahrhunderts.


Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Tate, London und der Ny Carlsberg Glyptothek, Kopenhagen.
Kuratorin: Evelyn Benesch mit Matthew Gale (Tate)
 

Zurück zur Übersicht