• Ahmet Güneştekin, Altın Post / Golden Pelt / Das Goldene Vlies, 2011, Mischtechnik 210 x 330 x 40 cm © Courtesy the artist
  • Ahmet Güneştekin, Çemberlitaş Tepesi 1F, Kostantiniyye Serisi / Çemberlitaş Hill 1F, Kostantiniyye Series / Der Hügel von Çemberlitaş 3C, Konstantinopel-Serie, 2019, Mischtechnik 150 x 150 x 30 cm © Courtesy the artist
  • Ahmet Güneştekin, Nietzsche ile Buluşma /Meeting with Nietzsche / Treffen mit Nietzsche, 2019, Öl auf Leinwand 180 x 240 cm © Courtesy the artist
  • Ahmet Güneştekin, Altın Post / Golden Pelt / Das Goldene Vlies, 2011, Mischtechnik 210 x 330 x 40 cm © Courtesy the artist
  • Ahmet Güneştekin, Çemberlitaş Tepesi 1F, Kostantiniyye Serisi / Çemberlitaş Hill 1F, Kostantiniyye Series / Der Hügel von Çemberlitaş 3C, Konstantinopel-Serie, 2019, Mischtechnik 150 x 150 x 30 cm © Courtesy the artist
  • Ahmet Güneştekin, Nietzsche ile Buluşma /Meeting with Nietzsche / Treffen mit Nietzsche, 2019, Öl auf Leinwand 180 x 240 cm © Courtesy the artist

Ahmet Güneştekin

The Universe of Myths

4.8. – 26.8.2019

Die künstlerische Arbeit Güneştekins ist eng mit der Geschichte seines Landes verbunden.
In einer Zeit, in der viel über Globalisierung gesprochen wird und Ausstellungen um Kultur und Zukunft kreisen, bleibt Ahmet Güneştekin mit seinem Werk vor allem in der Gegenwart und blickt von dort aus zurück. Ausgangspunkt seines künstlerischen Tuns sind Religionen und Mythen seiner Heimat Anatolien, die er in seinen Werken unorthodox reflektiert. Dabei geht es ihm nicht darum, eine Erzählform oder narrative Struktur zu entwickeln, sondern eine Bildwelt zu schaffen, die zwar eine Form von Spiritualität aufweist, aber in der Abstraktion verbleibt. Die Bildtitel lassen allerdings keine Zweifel daran, dass es sich hier um einen Rückgriff auf eine heute fern wirkende Zeit handelt, einen Rückgriff auf Kulturen die durch große Erzählungen entstanden sind und sich durch ihre Weiterverbreitung ausdifferenziert haben. Das Gilgamesch-Epos beispielsweise wurde bis zu Bibel hin rezipiert.

Ahmet Güneştekin weist immer wieder darauf hin, dass Mythologien sowohl Repräsentationen der Gegenwart, als auch der Vergangenheit sind, dass Mythen sowohl eine Vergangenheit widerspiegeln als auch die Gegenwart. (Güneştekin:„ Die Vergangenheit wird naturgemäß zur Gegenwart, da Erinnerung ein Heute braucht“)
Vielfach hat der Künstler, insbesondere in seinen Filmen, untersucht, wie soziale und psychologische Prozesse ein kollektives Gedächtnis formen. Er geht davon aus, dass Mythologien nicht nur erfundene Geschichten sind, sondern fantastische Reflexionen von realen Ereignissen.
In der Kultur der Jesiden, deren Volk Ahmet Güneştekin entstammt, werden alle Überlieferungen mündlich weiter gegeben, was sie durch persönliche Erzählweisen stärkt.

Ahmet Güneştekins Bilder sind wirkmächtige geometrische Konstruktionen, die durchwebt sind von fließenden und verschlungenen Lineaturen. In Abstraktionen und Überhöhungen erscheinen darin Legenden wie Lilith, Pegasus, Achill, Phoenix und Medusa. Schlangen spielen eine Rolle, die Zahl Sieben sowie Türen zur Unsterblichkeit.
Zwei Elemente sind aber zentral: Die Sonne und der Pfauenengel. Die jesidische Kultur ist fundamental mit dem Sonnenkult und der Figur des Pfauenengels verbunden. Die Sonne ist das Signum seiner
künstlerischen Arbeit.

Geschichten und Mythen überlagern sich in Güneştekins Werk in nahezu postmoderner Weise indem eine Vielfalt gleichberechtigt nebeneinander bestehender Sichtweisen gegenübergestellt wird.

Güneştekins Credo: Verständnis für alle Kulturen einräumen, sie gleichrangig behandeln mit der Sonne als gemeinsamen Wert für Wärme, Licht und Leben. Verurteilung von Ideologie, Extremismus, Fanatismus und Dogma.
In neueren Werken nimmt die politische Akzentuierung noch mehr Raum ein.
„Never There“ ist eine Assemblage und deutet auf eine neue Schaffensphase hin.
Das Werk bezieht sich auf Pogrome und Vertreibungen, ist aber nicht eine plakative Abbildung des Grauens sondern eine tiefergreifende philosophische Reflexion. (Erinnerungsort)

Ahmet Güneştekins künstlerisches Schaffen ist von einer dialektischen Anschauung geprägt.
Sein Schaffen ist nicht hoch genug zu würdigen als humanistisches Manifest.
 

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