Bank Austria Kunstforum Wien zeigt Daniel Spoerri

Die Retrospektive ist von 24. März bis 27. Juni 2021 im Ausstellungshaus auf der Wiener Freyung zu sehen.

  • Daniel Spoerri, Tableau Piège, Restaurant Spoerri, 1972.  Assemblage mit Geschirr- und Speiseresten auf blauem Papiertuch in Plexiglaskasten, 70 x 70 x 40 cm.  Bündner Kunstmuseum Chur, Ankauf © Daniel Spoerri und Bildrecht Wien, 2021 Foto: Bündner Kunstmuseum Chur
  • Daniel Spoerri. Foto © Rita Newman
  • Daniel Spoerri , #26 Flohmarkt Wien, April 2016, 2016. Assemblage, 110 x 140 x 27 cm. Privatsammlung © Daniel Spoerri und Bildrecht, Wien 2020  Foto: © the artist and Galerie Krinzinger
  • Daniel Spoerri, Brotteigobjekt (Damensandale), 1970/71. Brotteigobjekt, 24,3 × 37 × 12,3 cm. Kunstpalast, Düsseldorf © Daniel Spoerri und Bildrecht Wien, 2021 Foto: © Kunstpalast - Horst Kolberg - ARTOTHEK

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Wien (LCG) – Das Bank Austria Kunstforum Wien präsentiert in seiner Frühjahrsausstellung „Daniel Spoerri“ das Werk eines Künstlers, der in seinen zentralen Themen bis heute die uns täglich umgebende Dingwelt und das Essen als sozialen Akt verhandelt. Damit ist in Wien erstmals seit über 30 Jahren eine umfassende Retrospektive zu Daniel Spoerri in jener Stadt zu sehen, in der der Künstler seit 2007 lebt. Die Ausstellung versammelt über 100 Schlüsselwerke Spoerris aus 43 öffentlichen und privaten internationalen Sammlungen und ermöglicht durch reiches Archivmaterial zusätzliche Einblicke in das Leben und Wirken dieses Universalkünstlers.

In die Falle gegangen

Als Erfinder des „Fallenbildes“ oder „Tableau piège“ hat sich Spoerri in die Kunstgeschichte eingeschrieben: Er fixiert vorgefundene Situationen und kippt sie von der Waagerechten in die Senkrechte. In dieser Untersuchung des Alltäglichen und der damit einhergehenden Verankerung von Gebrauchsgegenständen in der Sphäre der Kunst stellt Spoerri – unter anderem anknüpfend an das Objektverständnis Marcel Duchamps und dessen Konzeption des Readymade – Wahrnehmungskonventionen radikal auf die Probe.

Transmedialität avant la lettre

Die retrospektive Schau im Bank Austria Kunstforum Wien präsentiert das sieben Dekaden umspannende Werk des in nahezu allen Medien tätigen Künstlers und begeisterten Sammlers in seiner Kohärenz ebenso wie in seiner Vielfalt: Einer losen Chronologie folgend, veranschaulicht die Ausstellung anhand von thematischen Schwerpunkten, dass Spoerris transmediale Praxis weit vor der Erfindung des „Fallenbildes“ einsetzt und sich bis heute kontinuierlich weiterentwickelt. Seine Anfänge als professioneller Tänzer, die Arbeit am Theater, sowie die Auseinandersetzung mit Konkreter Poesie, die in der Gründung der Zeitschrift „material“ mündet, fließen in die von ihm initiierte „Edition MAT (Multiplication d‘art transformable)“ ein. Darin stellt Spoerri das originale Kunstwerk durch Multiplikation in Frage, und er greift das Motiv der Bewegung mit seinem Fokus auf kinetische Kunst auf.

Transformation des Vorgefundenen

Die Ausstellung verdeutlicht, wie Spoerri das Konzept des „Fallenbildes“ immer wieder erweitert, ob als literarisches „Fallenbild“ in dem Künstlerbuch „Anekdoten zu einer Topographie des Zufalls“, in den inszenierten „Faux Tableaux pièges“, oder in den das Prinzip des Portraits erweiternden „Künstlerpaletten“. Der Zufall ist auch in den Objektbildern der Serien „Détrompe l’œil“ und „Trésor des pauvres“ bestimmend. Hier lässt Spoerri Gegenstände einander begegnen und kreiert aus diesen ungewöhnlichen Kombinationen neue Bedeutungszusammenhänge. Das Prinzip dieser Assemblagen entwickelt Spoerri mithilfe des Bronzegusses weiter – hier verschmelzen die einzelnen Teile zu einer materiellen Einheit. Die Ausstellung zeigt mit „Santo Grappa“ Spoerris erste Bronze und damit den Beginn einer bis heute dauernden Auseinandersetzung mit diesem transformativen Material.

Von Symi nach Düsseldorf: Essen als Kunst

Auf der griechischen Insel Symi, wo fernab der Überflussgesellschaft die „Zimtzauberkonserven“ genannten Assemblagen aus Übriggebliebenem und Abfällen entstehen, sucht Spoerri Abstand von den „Fallenbildern“ und der damit einhergehenden Etablierung am Kunstmarkt. Dort setzt auch seine systematische Auseinandersetzung mit dem Essen und Kochen ein, die in der späteren Gründung des Restaurant Spoerri in Düsseldorf mündet, wo Spoerri auch die Kunstrichtung „Eat Art“ begründet. Aus Lebensmitteln wie Brot, Lebkuchen oder Schokolade entstehen Kunstwerke, eine künstlerische Untersuchung von „Ewigkeitswert, Verdaulichkeit, Veränderungen der Kunst, Kunst als Konsumgut.“

Sammeln und Versammeln

Spoerris „Collections/Sammlungen“, in denen er die Evolution von Alltagsgegenständen wie Sparschälern oder Brillen untersucht, zeigt die Ausstellung ebenso, wie auch seine recherchebasierten Projekte, die neue Formen des Ausstellens im Zuge der „Musées sentimentaux“ erproben. Den Abschluss bildet eine multimediale Präsentation von „Il Giardino di Daniel Spoerri“ – Spoerris Künstlergarten in Seggiano in der Toskana, in dem neben eigenen Bronzen auch Arbeiten seiner Künstlerfreundinnen und -freunde, wie etwa Eva Aeppli, Meret Oppenheim, Niki de Saint Phalle oder Jean Tinguely zu sehen sind.

Die Ausstellung ist von 24. März bis 27. Juni 2021 im Bank Austria Kunstforum Wien zu sehen. Weitere Informationen auf kunstforumwien.at

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